Sommerzeit, plötzlich

Mein Beitrag zur Schreibeinladung von Christiane mit den Wörtern

Sonnenhut, haltlos, massieren.

Später Feierabend. Ich gehe den Flur hinauf zu meiner Wohnung. Das Treppenhaus ist ungewohnt hell. Durch das geklappte Fenster strömt Frühlingsluft in den Hausflur. In der Kastanie im Hof zwitschern Vögel. Sonne, Wolken, Wind, Aprilwetter. Bald wird es wieder sehr warm sein; vielleicht schon im Mai. Wenn ich dann aus der aufgeheizten Stadt nach Hause komme, wird der stille Flur für 3 Stockwerke angenehme Kühle bieten und nach Sommer riechen.

Ein plötzlicher Wunsch nach kalten, dunklen Nachmittagen ergreift mich. Schal und Mütze anstatt eines Sonnenhuts möchte ich brauchen. Aufblitzende Sehnsucht nach schützender Dunkelheit.

Dieser Gedanke ist völlig haltlos. Ich muss verrückt sein. Oder es ist eine Ahnung, dass die Verheißungen des Sommers schon bald schal sein werden. Kein Winter mehr, der auf bessere Tage hoffen lässt.

Der Frühling kommt und will die blankliegenden Nerven der winterfahlen Menschen massieren. Aber mich verwirrt er; ich erstarre und brauche Trost, eine Umarmung.

Meine Schritte werden frühlingsschwer. Aber ich gehe weiter. Oben angekommen wechsle ich schnell die Schuhe und gehe gleich wieder raus. Laufen. Im Sonnenschein. Das erste Mal in diesem Jahr.

7 Kommentare zu „Sommerzeit, plötzlich

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  1. Ich weiß nicht, ob du dir das nur ausgedacht hast, aber ich kenne das tatsächlich: Im Sommer habe ich manchmal Sehnsucht nach den trüben, stillen Tagen des Herbstes oder des Winters … so gern, wie ich draußen unterwegs bin. Komisch.
    Herzliche Grüße, schön, dass du mal wieder dabei bist!
    Christiane :-D

    1. Ja, endlich habe ich es wieder mal geschafft, dabeizusein. Die Situation ist nicht ausgedacht. Es war ziemlich genau so und endlich wusste ich das Wort „haltlos“ einzubauen… Meine Texte sind oft recht melancholisch, und auch die Herbst-Sehnsucht ist immer wieder da. Aber ich freue mich sehr auf den Frühling :-)

  2. Ich ertappe mich auch manchmal dabei. Jede Jahreszeit hat so ihre Vorzüge und einige Eigenschaften vermisse ich. 😇 Schön melancholisch geschrieben.

    1. Hallo Werner, interessant, ich meinte eigentlich, dass ich die Schuhe ausziehe um dass die Laufschuhe anzuziehen. Aber stimmt, barfuß wäre es umso schöner :-)

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