Gedanken an einem Tag im Januar 2021

[Meine Einreichung für die Schreibeinladung von Christiane mit den Worten Zetermordio, weichmütig und backen]

Einmal kam mir der Gedanke, dass eine Krise kommen könnte. Dann würden die Menschen schon sehen…

Wenn das Internet für eine gewisse Zeit ausfiele, dachte ich, dann würden sich die Menschen draußen auf der Straße treffen. Nachbarn und Fremde und Freunde würden miteinander reden. Man würde einander lange Briefe schreiben und wieder lernen, verbindliche Verabredungen zu treffen. Man würde keine Fotos schicken können und auch keine machen wollen und seine Gedanken präziser Formulieren. Die Grenze zwischen wichtig und unwichtig würde sich verschieben.

Wenn die Krise dann wirklich kommt (und sie überholt kurz die Sorge ums Klima), dann wird in den Medien analysiert, was jetzt ist und was wir wissen und noch nicht wissen und was in einem Jahr sein wird und was das alles überhaupt mit uns macht. Und dann würden wir sehen: Solidarität und Zusammenhalt, Selbstfindung und Läuterung. Global wird Regional, Großes wird kleiner und feiner. Die Menschen backen Brot. Ja, endlich! Die Hefe dafür haben sie jemand anderem weggenommen.

Und dann sehen wir: Die Krise (die gar nicht die Krise ist, wie wir sie uns vorgestellt haben) bringt nichts Gutes.

Im Radio sagt jemand: „Werden wir uns im Laufe des Jahres sogar nach 2020 zurücksehnen?“

Ach. Es ist erträglich. Ich war irgendwie schon als Kind im Lockdown. Der Vater war viel unterwegs und ich zu Hause, allein. Ich kann das. Aber es verwirrt zunehmend.

„Strenge Ausgangsbeschränkungen und Kontaktbeschränkungen im Gespräch“, schreibt DIE ZEIT, und ich frage mich in der ersten Sekunde, warum es jetzt sogar in Gesprächen Kontaktbeschränkungen geben soll.

Ich sehne mich nach deinem weichmütigen Bauch, an den ich mich lehnen kann und der mir Trost spendet.

Diese Ungeduld! Diese Wut manchmal! Aber kein Zetermordio hilft. Umarmungen schon gar nicht.

Gute Worte, Taten und Wünsche aber sind erlaubt.

Und schon heute sind Umarmungen unglaublich kostbar.

Ach, das wird bald schön :-)

11 Kommentare zu „Gedanken an einem Tag im Januar 2021

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  1. Toller Text, vielen Dank, schön, wieder mal was von dir zu lesen!
    Umarmungen helfen. Wir verarmen alle momentan, die, die allein leben, vielleicht noch mehr als andere … :-(
    Deine Etüde ist idealistisch, das mag ich sehr. Leider hast du (verzeih, das ich das sage) hinter meinem Namen noch die falsche Schreibeinladung stehen. Macht nichts, du hast ja einen Kommentar dagelassen, es ist mir nur trotzdem aufgefallen. ;-)
    Herzliche Grüße am Morgen :-D

  2. Es ist schön zu lesen daß es Stimmen gibt, die sich eigene Gedanken zur allgemeinen Situation machen.
    Lese ich ‚Coronaleugner‘ pfui, Schutzlosimpfung hui, weiß ich, daß in jenen Köpfen Dummheit pur zuhause ist.

    Alles Gute – vor allem weiterhin geistige Gesundheit !

    1. Hallo Olpo, danke für deinen Kommentar. Tatsächlich werde ich mich impfen lassen. Ich sehe da größere Vorteile, als das Infektionsgeschehen einfach so weiterlaufen zu lassen.
      Auf dass wir alle gesund bleiben!

      1. Das ist deine Entscheidung und im ersten Impuls kann sie nicht falsch sein, denkt man. Ich habe jedoch gestern einen Beitrag auf YT gesehen der berichtet, daß 240 ? 260 ? Menschen in Israel unmittelbar nach einer Impfung erkrankt wären; Urheber des Berichtes ist RT, dessen Seriosität ich nicht beurteilen kann. Vorsichtig macht mich die Äußerung eines verantwortlichen deutschen Gesundheitspolitikers der da lapidar meinte, es werde Todesfälle nach (aufgrund der?) Impfungen geben, trotzdem.

  3. Dass du mit den etwas altertümlich und plüschig wirkenden Worten den Bogen zu aktuell so beherrschenden Gedanken auf eine zwischen Empfindungen und Sachlichkeit ausbalancierte Weise so ansprechend geschlagen hast, beeindruckt mich und hat mich, wie man so sagt, „abgeholt“.

    1. Hallo puzzleblume, vielen lieben Dank für dein Feedback und das Kompliment. Es freut mich, dass dir der Text gefallen hat.
      Ich wünsche dir ein gutes neues Jahr :-)

  4. Hallo, welch ein sagenhaftes Bild und Respekt, wie Du dieses Thema mit den Gedanken verwoben hast – sehr fein formuliert, ich fühle beim Lesen keine Abwehr, weil ich als Betroffene genug habe von nur noch einer C-Haltung sondern ich erlebe eine andere persönliche Wahrnehmung, die mir viel Freiheit gibt, ihr leicht zu begegnen. LG Doro

    1. Liebe Doro, vielen Dank für dein Feedback. Und das Foto, … ja, ich bin selbst immer ganz neugierig, für welchen Text meine Schnappschüsse irgendwann gut sind :-)
      Hab einen schönen Sonntag!

    2. Interessante Gedanken. So eine Krise lässt einen nicht nur, über sein eigenes Leben und die Lebensweise nachdenken, sondern auch Krisen an sich. Sie macht sensibler. Ist nur die Frage, ob das bei vielen so dauerhaft sein wird.

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