Spätsommertristesse

Es ist der vielleicht letze warme Tag in diesem Jahr. Für die nächsten Tage wurde Regen angekündigt. Gut gelaunt sitzen die Menschen vor den Cafés in der Sonne. Sie schlendern durch die Parks, sitzen am Ufer des Landwehrkanals und schauen den Schwänen zu, als hätten sie alle Zeit der Welt. Als würden sie in zwei Wochen hier immer noch so sitzen können. Kinder spielen ausgelassen in den Straßen der Großstadt. Und ich sehe mir das alles unbeteiligt, wie durch ein Fernrohr schauend, an.

Eine Wut packt mich. Ja, verstehen die denn nicht? Vom Balkon aus, wo die Blumen schon fast alle verblüht sind, sehe ich die Nachbarn im Kiezcafé sitzen und will verzweifelt herunterrufen: „Was fällt euch ein? Kurze Hosen?! Es ist vorbei! Begreift das doch! Die Verhältnisse, sie sind nicht so!“

Eine kühle Böe zieht durch die Straße und wirbelt das erste Laub auf. Jemand zieht den Reißverschluss seiner Jacke zu. Eine Frau wickelt sich entspannt ein Tuch um den Hals, den 5 bis 6 grauen Monaten, die wir vor uns haben, noch nicht ins Auge Blickend.

Die Radieschen im Blumenkasten vor mir haben sich neulich erst durch die Erde gedrückt. Und einige Blumen im Kasten daneben blühen noch. Die Sonne scheint mir gerade warm ins Gesicht. Und da verstehe ich: Ihr habt recht. Für die nächsten Tage ist Regen angekündigt. Aber JETZT ist es sonnig warm.

Sommertristesse

 

 

 

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