Es geht abwärts: Im Fahrstuhl den Zenit überschritten

Samstag Nacht im Fahrstuhl: Gehen SIE auch noch in den Club? Im Stock unter uns steigt ein junger Mann zu und stellt mir diese freche Frage. Er siezt mich tatsächlich! Ich bejahe, wir reden über Clubs und stellen fest, dass wir tatsächlich die gleichen aufsuchen. Warum siezt der mich nur? In Berlin duzt sich nun doch fast jeder!
Ich bin dieses Jahr 30 geworden. Viele Leute schätzen mich jünger, um 25. Und ich fühle mich tatsächlich nicht reifer oder älter oder anders als vor 5 Jahren, jedenfalls nicht bewusst. Aber diese Dreißig schreckt mich schon ab. Sie ist eine Zäsur für mich und ich habe dieses Jahr doch resümiert, über das letzte Jahrzehnt, über mein Leben bis hierhin.
Während ich gewohnt bin, das mein Umfeld überrascht auf mein Alter reagiert, weil man mich eher jünger schätzt, scheint mein Fahrstuhlgenosse nun alles zu verkehren. Vielleicht tun das ab jetzt alle? Just ab diesem Moment hier im Fahrstuhl erkennen vielleicht alle, dass ich das 30. Lebensjahr überschritten und den Traum der ewigen Jugend ausgeträumt habe. Mit körperlicher und geistiger Fitness geht es genauso schnell bergab, wie ich mich im Fahrstuhl dem Erdgeschoss nähere.
Unten angekommen, öffnet der Fahrstuhl die Tür und wir steigen aus. Wie um mir zu zeigen, dass es kein Versehen war, verabschiedet sich der Nachbar mit den Worten: „Ich wünsche IHNEN noch einen schönen Abend“. Vielen Dank!
Immerhin meint unser Partyfreund, dass auch „Erwachsene“ in den Club gehen können. Dann ist doch eigentlich alles in Ordnung. Oder?

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