Songtext zum Herbst: Alexandra und Der Traum vom Fliegen

•September 28, 2008 • Kommentar schreiben

Ich oute mich hiermit als Alexandrafan.

Ein dramatisches Lied zur dramatischen Jahreszeit… zum Glück leben wir länger als so ein Blatt…

Der Traum vom Fliegen

An einem Baum
in dem Park der großen Stadt
hing unter tausenden Blättern ein Blatt.
Sang der Nachtwind in den Bäumen
wiegte sich das Blatt in Träumen
von der weiten herrlichen Welt.

Refr.
Könnt ich nur einmal wie der Wind
Fliegen.
Mit den Wolken übers Meer,
ach mein Leben gäb ich her
Könnt ich Fliegen
Könnt ich Fliegen

Bald kam der Herbst
gab dem Blatt sein schönstes Kleid
doch es klagte den Wolken sein Leid:
„Bleiben muß ich und verblühen
Könnt ich mit den Schwänen ziehen
dorthin wo der Sommer nie vergeht…“

Refr.
Da rief der Herbstwind: „Du sollst fliegen! Fliegen!“
Und er riß vom Baum das Blatt, trieb es in die große Stadt, ließ es fliegen, ließ es fliegen.

Kurz war das Glück
Müde sank das Blatt hinab
auf die Straße, sein regennasses Grab
Schon am Ende seines Lebens
rief das kleine Blatt vergebens
zu den stummen Häusern hinauf:

„Könnt ich nur einmal noch im Wind
Fliegen!
Flög ich hin zu meinem Baum
und vergessen wär der Traum
vom Fliegen
vom Fliegen

Schönes Fundstück

•September 19, 2008 • Kommentar schreiben

Da fragt man sich: Gibt es solche Leute wirklich? Und, wenn ja: Melden die sich dann? Ich meine, wer den Weg auf die andere Seite der Stadt nicht schafft, greift auch irgendwann nicht mehr zum Telefon.

Die Wette gilt

•August 23, 2008 • Kommentar schreiben

Wir hatten gutes Wetter heute auf der Geburtstagsfeier. War ja klar, „wir haben ja gute connections nach oben“, sagt mein Cousin. Ergo: Wer dafür betet, bekommt gutes Wetter. Und das klappt nicht nur beim Wetter, sondern bei allen kleinen und großen Fragen und Wünschen des Lebens. Sagt mein Cousin. Ich frage ihn, ob die Menschen beim Flugzeugabsturz diese Woche in Madrid nicht gebetet haben; (das ist etwas provokant, das gebe ich zu) oder ob nur diejenigen gerettet wurden, die gute Christen sind. Er sagt, dass Gott nicht alles verhindern kann, aber immer da ist und alles mit uns durchsteht. Er kann nicht alles verhindern, weil es eben auch den Teufel gibt. Das steht so in der Bibel. Man kann in der Bibel vieles lesen und vieles ist großer Quatsch, denke ich, aber leider bin ich nicht Textsicher und mir fallen keine Beispiele ein. Mein Cousin, sagt dass Astrologie und Esoterik „Schwachsinn“ sind, aber der Gott der Christen wirklich existiert. Die Evolustionslehre sei auch Schwachsinn, und zwar weil die Bibel älter ist. Naja. Lohnt es sich überhaupt, darauf einzugehen und zu diskutieren? Immerhin sind die christlichen Werte, die mein Cousin lebt, eine gute Sache. Mir gefällt aber nicht, dass er seine Wahrheit als die universelle Wahrheit für alle auslegt. Meine Mutter bittet trotzdem vorsichtshalber darum, dass er betet , damit ich endlich einen guten Job bekomme. Er fragt mich, ob ich das auch will, das sei das Wichtigste. Ich sage, dass es mir egal sei. Er kann es machen oder es lassen. Wir einigen uns darauf, dass er nicht für mich betet. Wir werden sehen, wo ich lande. Die Wette gilt. Auf wen setzt ihr?

Heute schien nachmittags die Sonne, obwohl Schauer, Sturm und Gewitter prophezeit waren…

Opa sagt

•Juli 28, 2008 • Kommentar schreiben

Sonntagnachmittag, Besuch im Heim. Es ist heiß draußen. Deshalb sind sämtliche Vorhänge zugezogen. Im Zimmer ist es dunkel. Die Wanduhr tickt. Es gilt, diese Stunde rumzukriegen. Vielleicht bin ich ja selbst Schuld an den aufkommenden Gesprächsthemen, weil ich auf Opas immer wiederkehrende Frage „Was gibt’s denn Neues?“ einfach nichts Zufriedenstellendes antworten kann. Drum wird gemeckert über Politiker, geschimpft über Steuererhöhungen, über Feinstaubplakettenpflicht für die Autos in Berlin, über den steigenden Benzinpreis und über Graffitis, die die graue Stadt so hässlich machen. Obwohl mein Vater weiß, dass ich seine ablehnende Haltung zu Homosexualität nicht teile, schneidet er dieses Thema mal wieder an. Der Berliner Starfrisör Udo Walz hat seinen Freund geheiratet, teilt er uns mit ironischem Unterton mit. Was sagt man dazu. In welchem hochwertigem Blatt wohl diese Neuigkeit gestanden hat, frage ich mich. Aber ich schweige, wie immer. Opa hingegen bringt seine Meinung auf den Punkt: „In Deutschland ist alles möglich. Demnächst heiratet noch die alte Oma ihren Hund“, regt er sich auf. Ich versuche diesen Kommentar positiv zu sehen. Es zeigt doch, dass noch etwas Leben in meinem Opa steckt.

OK, das wäre abgehakt. Noch 40 Minuten bis 3 Uhr. Welche Themen muss ich bis dahin noch aushalten?

Weil hier Osten ist. Achso.

•Juli 25, 2008 • Kommentar schreiben

Ich sitze auf dem U-Bahnhof Weberwiese in Berlin-Friedrichshain und warte. Über dem Bahnhof befindet sich die Karl-Marx-Allee, früher Stalinallee. Hier stehen die „Arbeiterpaläste“, in den 50er Jahren im Stil des Sozialistischen Klassizismus gebaut. Ich wohne seit 3 Jahren hier, denn die Wohnung ist saniert und WG-geeignet. Ich warte auf die Bahn und höre Musik. Neben mir sitzt ein Mann, mit einem Buch in der Hand. Es ist wohl ein Reiseführer. Obwohl ich die Kopfhörerstöpsel im Ohr habe, spricht er mich an. Es scheint wichtig zu sein. „Keine Werbung…“, sagt er und zeigt auf die leeren Werbetafeln an der Wand des U-Bahnhofs. Ich verstehe nicht ganz den Sinn dieser Ansprache und antworte „Ja“. Ich mache den Musikstöpsel wieder ins Ohr. Der Mann insistiert.

„Weil hier Osten ist“, sagt er.

Ich verstehe den Zusammenhang nicht und sage verwirrt: „Aber hier wohnen auch Menschen.“

„Ja aber hier ist Osten.“

„Hier kaufen die Menschen auch ein. Ich denke es gibt zur Zeit keine Werbeplakate, weil Sommer ist. Es lohnt sich einfach nicht.“

„Ja, weil hier SED-Bonzen wohnen.“

Endlich kommt die Bahn. Ich steige ein und hoffe, dass der Mann sich nicht neben mich setzt. Ich möchte wissen, welchen Berlin-Reiseführer er gelesen hat.

Ungleichgewicht

•Juli 18, 2008 • Kommentar schreiben

Du liegst mir am Herzen

Aber ich

liege dir

zu Füßen

Fusion 08

•Juli 13, 2008 • Kommentar schreiben

Wir sind dann also auf die Fusion gefahren, die 4 Männer und ich. Die anderen Damen haben abgesagt. Das Festival findet auf einem ehemaligen Militärflughafen statt. Man kann auf die begrünten und rot befahnten Hangars steigen und hat einen prima Überblick. Drinnen und draußen gibt’s Musik und Kultur. Sehr viele Fusionisten sind wohl nur wegen der elektronischen Musik da.

Ich bin nicht nur die einzige Frau, sondern auch die einzige in der Reisegruppe, die sich beim Drogenkonsum auf Alkohol beschränkt. Das Ecstasy genommen wird stört mich nicht, das soll jeder selbst entscheiden. Als einer aber einige Pillen diverser Art auf einmal schluckt, fehlt mir das Verständnis. Erst drängelt er, dass wir, kaum angekommen, auf die Tanzfläche gehen, bald wird ihm dann schlecht und er will zurück zum Bus. Dann gehen wir wieder los. Was darauf folgt, ist für sein Umfeld sehr lustig anzusehen, für unseren Freund selbst muss es aber die Hölle sein. Er sagt, er sei im Nirwana. Es gibt keine Vergangenheit und keine Zukunft, keine positiven und keine negativen Empfindungen. Nichts. Er kann da nicht mehr rauskommen, denn er ist da auch nicht reingekommen. Es ist einfach. Nichts. Er nähert sich uns und sieht uns in die Augen. „Es macht aber keinen Unterschied“, sagt er. Er hebt einen Arm: „Ich kann auch den Arm heben. Ich kanns aber auch lassen.“ Es sei die totale Freiheit. Er könne ALLES machen. Er geht in die Menschenmenge und erzählt von seinem Zustand: „Ich müsste eigentlich besorgt sein. Ich kann es aber nicht.“ Er dreht sich im Kreis: “Ich kann mich auch drehen. Ich kann es auch lassen. Es mach keinen Unterschied. Es ist alles das gleiche.“ Er kann sich auch vor ein Auto werfen, sagt er. Es ist alles dasselbe. Ich versuche ihn zu beruhigen – dabei ist er nicht wirklich aufgeregt, er empfindet ja nichts – und sage ihm dass morgen alles wieder gut sein wird. „Es gibt kein morgen“, sagt er. O.K. Ein Freund von uns kümmert sich um ihn. Ich feiere weiter, mit denen, die noch können und die Drogen mit Bedacht dosiert haben. Aber auch mit bloßem Alkohol im Blut kann man froh sein und sich daneben benehmen, finde ich. Sonst tu ich mich schwer, aber beim Tanzen unter freiem Himmel verstehe ich irgendwann diese kalte Musik, die sich nach Minuten der Monotonie steigert und steigert, es ergreift mich tatsächlich. Ich überlege, ob beim Küssen die Gefahr des passiven Konsums von MDMA besteht. Egal. Am regnerischen Morgen kotze ich dann ordentlich vors Zelt und werde dabei von den noch sehr heiteren Zeltnachbarinnen lautstark kommentiert und wohl auch fotografiert. Unser Nirwana-Freund erzählt dann beim Frühstück im trockenen Bus wie schrecklich alles war, obwohl er ja nichts empfinden konnte. Ein Freund von ihm sagt noch einmal, wie dumm das von ihm war, soviel auf einmal zu schlucken. Er muss es wissen. Ich hörte, er habe lange so einige Drogen konsumiert und trinke jetzt nur noch Alkohol, weil er monatelang dachte, er befinde sich in einem Würfel. Das will er wohl nicht mehr durchmachen müssen.

Sonst ist es wirklich toll auf dem Festival, ein Spielplatz für Große. Auch Kleine sind zwar da, aber ich finde so mancher Anblick dort ist nichts für Kinder. Wie auch immer, als Erwachsener kann man viel Spaß haben, mit Hörspielen, Kino, verschiedenem und gutem Essen, Hängematten in Bäumen, großen Schaukeltieren für 2 bis 3 Personen. Ich stehe auf der Terrasse von einem Hangar und sehe der riesigen Menschenmenge zu, die zu Babylon Circus hüpft.

Die Toilettenbenutzung ist eher unschön, diese Dixies sind viel zu schnell viel zu beschissen. Beim kostenpflichtigen WC-Royal stand ich ewig an und so auf Bestellung geht sowieso nix. Alles umsonst! Die Duschen sind gemischt, warm, umsonst und draußen, wer prüde ist, lässt einfach seine Sonnenbrille auf.

Nachspiel: nach dem Festival werden Fotos ausgetauscht und das geflügelte Wort: „Ich kann´s auch lassen. Macht keinen Unterschied“ ist entstanden. Das Bändchen, das jeder zum Eintritt ums Handgelenk bekommt, bleibt erstmal dran. Als ich Montag früh zur Arbeit fahre, bin ich noch etwas wackelig auf den Beinen und falle in der U-Bahn fast hin. Jemand hält mich kurz am Arm. Ich sehe sein Bändchen. Er war auch da. Schön!

Neue Kategorie: Zitate und schöne SMS

•Juli 10, 2008 • Kommentar schreiben

Da einige Freunde in manchen Mails und SMS schöne Sätze verpacken, wird hier eigens eine Kategorie für sie eingerichtet.

Wir beginnen mit meinem ehemaligen Kollegen H.:

„Trage dein hungriges Herz an einen beschallten Ort oder eine frequentierte Uferniederung und suche nach der Tapete, die du kennst.“

To be continued, auch von euch!

Gedanken in einer Juniwoche

•Juli 10, 2008 • Kommentar schreiben
Es ist Fußball-EM und wieder ist der Jubel groß. Deutschland gewinnt im Halbfinale. All die glückstaumelnden Menschen auf den Straßen! Ich frage mich, ob der Jubel genauso groß wäre, wenn der Weltfriede verkündet würde. Aber das ist natürlich unrealistisch. Vielleicht ist der Fußballjubel gerade deshalb so groß. Weil der Jubel über große Errungenschaften eben ausbleiben muss. Sporterfolge müssen Zivilisationsmisserfolge übertünchen.

Stundenlang wird nachts gejubelt, durch die Straßen gefahren, gehupt. Als ich Opa im Heim besuche, schimpft er, dass er nicht schlafen konnte wegen der euphorisierten Leute da unten. So ist das, wenn man an der größten Jubelmeile Berlins wohnt. „Wer hätte gedacht, dass ich mal am Ku´ Damm wohnen würde“, sagt er, und das tut er garnichtmal so zynisch und deprimiert wie sonst. Aber dann ist wieder Stille. Das Fußballthema ist abgehakt. Zum Glück leben wir in den mittleren Breiten. Hier wechselt das Wetter ständig. Und wenn es das doch einmal lange nicht tut, dann hofft man darauf, weil es entweder zu warm, zu grau, zu regnerisch oder zu kalt ist. Zum Wetter gibt es also immer einen Satz zu sagen. Worüber sonst soll ich reden mit Opa, der kein Ziel mehr hat und keine Veränderung mehr im Alltag als den Wechsel der Jahreszeiten und den täglichen Wetterbericht.

Sei Berlin!

•Juli 6, 2008 • Kommentar schreiben

Auch auf Plakaten wid sich mit der umstrittenen Imagekampagne „Sei Berlin“ (www.sei.berlin.de) auseinandergesetzt bzw. sie umgedeutet.