Songtext der Woche: Wind of Change

•November 9, 2009 • Kommentar schreiben

9. November. Heute Morgen im Radio hörte ich den Moderator sagen, dass die Wende ja nicht nur Gutes gebracht hätte. Gerade begann ich mich zu empören, als „Wind of Change“ von den Scorpions angespielt wurde. Plötzlich verstand ich. Nach 30 Sekunden wurden die Hörer von Motor FM erlöst.

Zur Güte hier nochmal der Songtext.  Nachgelesen und Feuerzeuge rausgeholt:

Wind of Change

I follow the Moskva
And down to Gorky Park
Listening to the wind of change

An August summer night
Soldiers passing by
Listening to the wind of change

The world is closing in
And did you ever think
That we could be so close, like brothers

The future’s in the air
I can feel it everywhere
Blowing with the wind of change

Take me to the magic of the moment
On a glory night
Where the children of tomorrow dream away
In the wind of change

Walking down the street
And distant memories
Are buried in the past forever

I follow the Moskva
And down to Gorky Park
Listening to the wind of change

Take me to the magic of the moment
On a glory night
Where the children of tomorrow share their dreams
With you and me

Take me to the magic of the moment
On a glory night
Where the children of tomorrow dream away
In the wind of change

The wind of change blows straight
Into the face of time
Like a storm wind that will ring
The freedom bell for peace of mind
Let your balalaika sing
What my guitar wants to say

Take me to the magic of the moment
On a glory night
Where the children of tomorrow share their dreams
With you and me

Take me to the magic of the moment
On a glory night
Where the children of tomorrow dream away
In the wind of change

Gentrification aufhalten? Hier eine Idee

•November 8, 2009 • Kommentar schreiben

Hier ein Kurzfilm, den ich bei der gestrigen Veranstaltung von A Wall is a Screen gesehen habe. Es geht darum, dass die Aufwertung von innerstädtischen Wohngebieten aufgehalten bzw umgekehrt werden soll. Jeder Anwohner kann seinen Beitrag leisten…

Es geht abwärts: Im Fahrstuhl den Zenit überschritten

•Oktober 24, 2009 • Kommentar schreiben

Samstag Nacht im Fahrstuhl: Gehen SIE auch noch in den Club? Im Stock unter uns steigt ein junger Mann zu und stellt mir diese freche Frage. Er siezt mich tatsächlich! Ich bejahe, wir reden über Clubs und stellen fest, dass wir tatsächlich die gleichen aufsuchen. Warum siezt der mich nur? In Berlin duzt sich nun doch fast jeder!
Ich bin dieses Jahr 30 geworden. Viele Leute schätzen mich jünger, um 25. Und ich fühle mich tatsächlich nicht reifer oder älter oder anders als vor 5 Jahren, jedenfalls nicht bewusst. Aber diese Dreißig schreckt mich schon ab. Sie ist eine Zäsur für mich und ich habe dieses Jahr doch resümiert, über das letzte Jahrzehnt, über mein Leben bis hierhin.
Während ich gewohnt bin, das mein Umfeld überrascht auf mein Alter reagiert, weil man mich eher jünger schätzt, scheint mein Fahrstuhlgenosse nun alles zu verkehren. Vielleicht tun das ab jetzt alle? Just ab diesem Moment hier im Fahrstuhl erkennen vielleicht alle, dass ich das 30. Lebensjahr überschritten und den Traum der ewigen Jugend ausgeträumt habe. Mit körperlicher und geistiger Fitness geht es genauso schnell bergab, wie ich mich im Fahrstuhl dem Erdgeschoss nähere.
Unten angekommen, öffnet der Fahrstuhl die Tür und wir steigen aus. Wie um mir zu zeigen, dass es kein Versehen war, verabschiedet sich der Nachbar mit den Worten: „Ich wünsche IHNEN noch einen schönen Abend“. Vielen Dank!
Immerhin meint unser Partyfreund, dass auch „Erwachsene“ in den Club gehen können. Dann ist doch eigentlich alles in Ordnung. Oder?

Die Krise als Weg [Songtext der Woche: Gustav: Alles renkt sich wieder ein]

•Juni 16, 2009 • Kommentar schreiben

Der Songtext der Woche, oder vielleicht des Quartals (ich komme ja so selten dazu, interessante Texte zu finden) passt gut zur täglich zitierten Krise. Ich persönlich merke bisher nichts von ihr, warte aber mit Spannung auf das, was kommt. Denn, überspitzt ausgedrückt: Unglücklicher können wir ja kaum werden. Der Wohlstand führt bekanntlich zu Depressionen und Stress.
Wenn die Krise endlich da ist, können wir wieder hoffen auf ein besseres Leben. Jetzt haben wir ja alles was wir brauchen. Wir wissen es nur nicht (zu schätzen).

Die glücklichsten Menschen der Welt wohnen übrigens laut einer Studie im Südsee-Inselstaat Vanatu. Und das, obwohl man dort vor Erdbeben und Wirbelstürmen nicht sicher ist. «Die Leute hier sind glücklich, weil sie mit wenig zufrieden sind. Das Leben dreht sich um die Gemeinschaft, um die Familie und um das, was man anderen Leuten Gutes tun kann. Das ist ein Platz, wo man sich keine großen Sorgen machen muss.» heißt es im verlinkten Artikel.
Da wollen wir hin! Und dahin bringt uns hoffentlich die Krise.

Hier also das Lied:

Alles renkt sich wieder ein [Gustav]

Ich habe eine Sehnsucht
nach der nächsten Katastrophe.
Denn wenn wir gemeinsam leiden
fällt dieses Unbehagen ab.

Der Zufall ließ uns weiterleben.
Der Überdruss ging vor der Angst.
Ließ uns einander fest umklammern
und hoffen für den nächsten Tag.

Mach aus den Städten Schutt und Asche.
Ich will nie wieder Sonnenschein.
Ein Menschenleben weg genügt nicht,
es müssen Gottesleben sein.

Ich will die Kinder weinen hören,
die Müttern einsam flehn am Grab.
Und keine Vögel solln mehr singen,
nur unsere Melodie erklingen.

Alles renkt sich wieder ein.
Irgendwann geht es vorbei.
Der Schmerz tut weh und es wird besser
nur durch unsere Melodie.

Lass den Kopf nicht hängen Sweetheart
es wird alles wieder schön.
Halt die Ohren steif my Darling
und unser Glück wird in Erfüllung gehn.

Während die Feigen Tode suchen,
der Knechtschaft Qualen wolln entgehn,
sich ängstlich in den Abgrund stoßen,
wird unsere Melodie bestehn.
Wir überwinden jede Hölle
ob Hagel Blitze Feuer Glut,
verwandeln klägliches Gesänge
in Harmonie und neuen Mut.

Alles renkt sich wieder ein.
Irgendwann geht es vorbei.
Der Schmerz tut weh und es wird besser
nur durch unsere Melodie.

Lass den Kopf nicht hängen Sweetheart
es wird alles wieder schön.
Halt die Ohren steif my Darling
und unser Glück wird in Erfüllung gehn.

Die Wand als Projektionsfläche

•Juni 11, 2009 • Kommentar schreiben

WallScreenII

„Ich lese Wiki und trinke Urquell“, sagt KP. Als ich ihm vorschlage, dem Abend eine neue Richtung zu geben, ist er erst unwillig; er sitzt dann aber doch schon in der U-Bahn als ich einsteige. Ich bin freudig überrascht, dass ich nicht allein zu „A wall is a screen“ gehe. Und die Führung durch die Berliner Innenstadt, bei der Kurzfilme an die Häuserwände projiziert werden, lohnt sich.

Die Idee dazu kommt aus Hamburg und tourt durch verschiedene Städte zu wechselnden Themen. Die Tour im Mai widmete sich dem Jubiläum des Grundgesetzes. Klingt vielleicht dröge, war es aber nicht. Vom bewegenden Monolog zum Thema Asylrecht bis zum Splattermovie, der sich mit der Arbeit in der Zukunft beschäftigt, gab es Einiges zu sehen. Je später der Abend, desto größer wurde die Menschentraube, sie sich von einem Gebäude beziehungsweise Film zum nächsten führen ließ. Im November will das Team aus Hamburg wieder in Berlin sein. Wir freuen uns drauf!

WallScreen

2€

•Mai 24, 2009 • Kommentar schreiben

„Wucher!“ sagt meine Freundin, mit der ich gemeinsam nach Dresden fahre. Gemeint sind die 2€, die die Bahn für die Platzreservierung nimmt. „Gegebenenfalls reserviert“ steht über unseren Plätzen, es kann also noch spontan jemand mit einer Reservierung kommen und uns den Platz streitig machen. Als ich dann im überfüllten Zug meinen Platz zweimal wechseln muss, finde ich 2 € für einen mir sicheren Platz nicht zuviel. Sofort würde ich sogar 5€ zahlen, um meine Ruhe zu haben, dies ist nun aber nicht mehr möglich. Ich geselle mich also zu einem anderen Fahrgast und hoffe auf Glück. Die Frau auf dem Platz neben mir schreckt jedes Mal hoch, wenn sie ein „Entschuldigung“ hört. Auch sie wurde schon öfter verscheucht. Wir sehen uns nervös an, in ständiger Angst „erwischt“ zu werden. Schließlich müssen wir doch noch einmal nach einem freien Platz in einem anderen Wagen schauen, weil jemand kurzfristig reserviert hat. Bei den Fahrgästen hinter uns, die gerade jemanden von ihrem Platz verweisen, bezweifle ich jedoch, dass sie wirklich Anspruch auf ihren Platz haben. Statt des üblichen „Entschuldigung, das sind unsere Plätze“ höre ich nur die Frage „Haben SIE reserviert?“ Erst als dies verneint wird, wird behauptet „Ahja, das sind unsere Plätze“. Wer will das schon nachprüfen. Denn man will ja niemandem unterstellen SO dreist zu sein….

Ich jedenfalls nehme mir vor, auf die Frage „Haben Sie reserviert?“ erst einmal mit einem selbstbewussten „Ja“ zu antworten. Danach sehen wir weiter.

Befreundet mit „Berliner Fernsehturm“

•Dezember 7, 2008 • 2 Kommentare

„Facebook ermöglicht es dir, mit den Personen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen.“ Diese holprige Übersetzung des wahrscheinlich besser klingenden englischen Textes lässt durchblicken, dass Facebook der internationale Abklatsch von Studivz ist. Oder war es nicht doch andersrum? Wie auch immer, hier können wir uns mit der ganzen Welt vernetzen. Unsere Freunde einladen, Fotos einstellen, Gedanken austauschen und aktuelle Geschehnisse eintragen. „Berliner Fernsehturm“ lud mich jüngst als Freundin ein. Den kenne ich natürlich. Trete ich aus Tür und wende mich nach links, steht er da, am Ende der Karl-Marx-Allee. Immer. Tag und Nacht steht er förmlich Wache und hat alles im Blick. Ich kann ihn von vielen Punkten der Stadt aus sehen. Er vermittelt mir ein Gefühl von Heimat und Konstanz. Dabei sieht er je nach Tages- und Jahreszeit anders aus. Meine emotionale Bindung zum Fernsehturm ließ mich die Freundschaftseinladung annehmen. Natürlich ist mir bewusst, dass hinter dem Profilnamen ein gewitzter junger Mensch steckt, der möglichst viele Freunde verbuchen möchte. Täglich wächst seine Freundesliste und er wird auf einer Menge Fotos von weltweiten Facebook-Mitgliedern verlinkt. Auch ich gebe mich der Illusion hin und schreibe auf seine Pinnwand, wie froh ich bin, dass wir nun Freunde sind. Er „stupst“ mich an, ich „stupse“ zurück. Ich verehre den Fernsehturm, ich bin verliebt in Berlin.

Facebook hält auf dem Laufenden. Was macht „Berliner Fernsehturm“ gerade? „…is everywhere while standing still“. Eben. Deshalb mag ich ihn so sehr.

Sie haben keine Ahnung!

•Oktober 13, 2008 • Kommentar schreiben

„Sie können überhaupt nichts!“

„Was soll das bringen!?“

„Nein, sie stellen mich nicht durch, ich rede nur NUR MIT IHNEN, auch wenn sie mir sagen, dass Sie mir nicht weiterhelfen können!“

„Warum verbrennen sie mein Geld. Sie haben mich ruiniert!“

Die Finanzkrise schwappt nach Deutschland. Jeder 2. Kunde ruft nervös seine Bank an. In Tagen wie diesen frage ich mich, ob in Callcentern überdurchschnittlich viele Menschen mit devoter sexueller Orientierung arbeiten. Alle anderen Kollegen leiden, stumpfen ab, brennen aus. Wer gern angebrüllt und grundlos beschuldigt wird, zum Sündenbock und für dumm und unfähig erklärt wird, hätte allerdings seinen Spaß und könnte seine Neigung oft ausleben.

Solch ein Mitarbeiter würde wiederum nichts tun, um die Situation zu entschärfen. Er würde den Kunden gar anstacheln, damit dieser ihm Unflätigkeiten an den Kopf wirft und erst dann helfend und aufklärend einschreiten. Manche Kunden denken tatsächlich mit unfreundlichem Geschrei ans Ziel zu kommen. Vielleicht arbeiten eben doch viele unterwürfige Menschen im Kundenservice am Telefon. Trifft der Kunde auf diese, wird er umerzogen. Und brüllt beim nächsten Anruf schon von Anfang an, damit im schnell geholfen wird. Wenn ich meine Neigung nicht bald in devotes Aushalten ändern kann, muss ich mir eine andere Tätigkeit suchen. Vielleicht sollte ich studieren. Ach nein, das habe ich ja schon.

Reiseziel oder Reisebeginn?

•Oktober 11, 2008 • Kommentar schreiben

Ein Artikel über lebensmüde Menschen, die jährlich zu Dutzenden von der Golden Gate Bridge springen, ist heute bei Spiegel Online zu lesen. Fangnetze sollen Selbstmörder vom Springen bzw. sterben abhalten. Der Artikel ist in der Kategorie „Reisen“ zu finden. Wieso nur? Sollen Touristen sich beeilen, die Brücke noch im Originalzustand bewundern zu können, bevor die optisch unschönen Fangnetze angebracht werden? Oder wurde hier an die Reise ins Jenseits gedacht, die die Unglücklichen dort antreten wollen?

Da frage ich mich, ob die Springer einheimische sind, oder sie zum großen Teil von weit her anreisen. Gibt es wohl einen Selbstmordtourismus? Ich kann es mir vorstellen. An der Golden Gate Bridge zu sterben macht jedenfalls mehr her als sich auf die Autobahn in Dorfnähe zu stürzen.

Hartz 4 grüßt O2

•September 28, 2008 • Kommentar schreiben

Ja ich weiß. Viele Berliner und insbesondere Friedrichshainer haben es schon längst entdeckt. Das schöne Plakat auf der Warschauer Brücke, das als Statement zur O2 Arena sozusagen schräg gegenüber derselben angebracht wurde. So schön ist es, dass es hier verewigt werden soll.

Krativ gegen die Privatisierung! Mal schaun, wie lange es dort hängen darf…